Warum Pflegekräfte kündigen: die häufigsten Kündigungsgründe in der Pflege
Pflegekräfte kündigen meist nicht wegen eines einzelnen Problems, sondern wegen einer Kombination aus Überlastung, psychischer Belastung, unplanbaren Arbeitszeiten, fehlender Wertschätzung und mangelnder Entwicklungsperspektive.
Genau diese Punkte zeigen sich immer wieder, wenn Pflegekräfte über einen Jobwechsel oder sogar den Ausstieg aus der Pflege nachdenken. In diesem Beitrag findest du die häufigsten Kündigungsgründe in der Pflege – verständlich eingeordnet und mit Blick darauf, was Arbeitgeber daraus lernen können.
Überarbeitung und ständiges Einspringen
Überlastung und ständiges Einspringen gehören zu den häufigsten Kündigungsgründen in der Pflege. Wenn Überstunden, spontane Dienstübernahmen und Schaukeldienste zum Alltag werden, fehlt vielen Pflegekräften auf Dauer die nötige Erholung.
Wer ständig auf Abruf ist, kann Beruf und Privatleben kaum noch verlässlich planen. Genau das führt oft dazu, dass aus Frust erst Wechselgedanken und später eine Kündigung werden.
Hinzu kommt: Pflegekräfte fallen selbst überdurchschnittlich oft krankheitsbedingt aus. So waren Altenpflegekräfte 2024 durchschnittlich 28,5 Tage krankgeschrieben. Rund 12 Tage mehr als Berufstätige im Durchschnitt (Quelle: TK Gesundheitsreport). Dabei fehlt es den Pflegekräften nicht an Verständnis für den Personalmangel, wohl aber für die mangelhaften Lösungen im Umgang mit Ausfallspitzen.
Auch der Dokumentationsaufwand trägt zur Überlastung bei. Viele Pflegekräfte haben das Gefühl, immer mehr Zeit für Bürokratie und immer weniger Zeit für gute Pflege zu haben.
Das Thema Digitalisierung in der Pflege ist hier ein zweischneidiges Schwert: Digitale Tools könnten entlasten, helfen aber nur dann, wenn sie sinnvoll eingeführt werden. Fehlen Schulung, klare Abläufe oder praxistaugliche Prozesse, entsteht oft zusätzlicher Stress statt echter Entlastung.
Aber auch unklare Zuständigkeiten und mangelhafte Übergaben führen dazu, dass Pflegende an einen Punkt kommen, an dem für sie eine Kündigung unausweichlich ist. Denn wer ständig am Limit arbeitet, kann und will eines Tages nicht mehr.
Psychische Belastung im Pflegealltag
Viele Pflegekräfte wählen ihren Beruf, weil sie Menschen helfen, begleiten und unterstützen möchten. Sie wollen sich Zeit nehmen, zuhören und für Patient:innen da sein.
Treffen diese Ziele auf ein Arbeitsumfeld, in dem Dauerstress und Zeitdruck auf der Agenda stehen, werden Pflegekräfte ihren Ansprüchen nicht gerecht. Denn gute Pflege bedeutet für sie, sich Zeit zu nehmen, zu trösten und da zu sein. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität ist für viele besonders belastend.
Umfrage: Was Pflegekräfte an ihrem Job lieben
Aber auch Patientenschicksale bringen viele Pflegende an eine Belastungsgrenze. Schwere Krankheitsverläufe, Sterbebegleitung oder belastende Gespräche gehören für viele Pflegekräfte zum Alltag. Ohne ausreichend Zeit zur Verarbeitung und ohne Unterstützung im Team kann das langfristig zur mentalen Erschöpfung führen.
Wenn dieser Zustand anhält, wächst bei vielen der Wunsch nach einem Arbeitsplatz, der mental weniger belastet oder nach einem kompletten Wechsel.

Unplanbare Arbeitszeiten und Dienstplanungerechtigkeit
Dass ein Job in der Pflege kein 9-to-5-Job ist, weiß jede (angehende) Pflegekraft. Was unzufrieden macht, sind auch nicht die Schichtdienste, sondern kurzfristig geänderte Dienstpläne, nicht eingehaltene Absprachen und Überstunden am Fließband. Denn darunter leidet das Privatleben.
Wer ständig damit rechnet, spontan einzuspringen oder für die Pflegedokumentation länger zu bleiben, hat es schwer, Termine im Privatleben zu planen und einzuhalten. Familie und Beruf sind unter diesen Bedingungen nur schwer zu vereinbaren.
Viele Pflegekräfte hätten sich bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber auch ein stärkeres Mitspracherecht bei der Dienstplanung gewünscht. Denn ständig am Wochenende zu arbeiten, lange Phasen ohne freien Tag und Schaukeldienste machen unzufrieden.
Entsteht dann noch der Eindruck, dass es immer dieselben sind, die in Fehlzeiten einspringen oder unbeliebte Dienste zugeteilt bekommen, ist das Maß schnell voll – Stichwort: Dienstplanungerechtigkeit.
Kurzum: Viele Pflegekräfte kündigen, weil sie sich mehr Flexibilität und Planbarkeit im Privatleben wünschen.
Konflikte mit Führungskräften
Nicht jede Kündigung hat mit Arbeitszeit oder Belastung zu tun. Oft liegt der Auslöser in der Zusammenarbeit mit Führungskräften. Gerade im Pflegealltag, in dem Teams unter Druck arbeiten, hat das Verhalten von Vorgesetzten einen großen Einfluss auf die Zufriedenheit.
Fühlt sich eine Pflegekraft auf Dauer unfair behandelt oder nicht wertgeschätzt, lässt die Motivation nach. Besonders kritisch wird es, wenn Entscheidungen intransparent sind oder Anliegen regelmäßig ignoriert werden.
Aber auch fehlende Rückmeldung oder ein schlechter Umgangston können das Arbeitsklima spürbar verschlechtern. In einem ohnehin belastenden Umfeld verstärken solche Faktoren die Unzufriedenheit zusätzlich.
In solchen Situationen ist es oft nicht der Beruf selbst, der infrage steht, sondern der konkrete Arbeitgeber.
Spannungen im Team
Gerade in der Pflege – einer Branche, in welcher es um das Wohl von Menschen geht – ist es wichtig, sich aufeinander zu verlassen und zusammenzuhalten. Folglich belasten Konflikte im Team den Arbeitsalltag enorm.

Hier einige Beispiele für Konflikte im Team:
- Konflikte zwischen alten und neuen Mitarbeiter:innen: Um Pflegekräfte zu gewinnen, bieten Arbeitgeber neuen Mitarbeiter:innen oft mehr als ihren Bestandskräften, z. B. einen Dienstwagen oder mehr Urlaubstage. Dies gefährdet die Akzeptanz neuer Mitarbeiter:innen im Team. Die Folge: Die Neuen kündigen, weil sie das Gefühl haben, nicht willkommen zu sein, und die Bestandsmitarbeiter:innen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen.
- Kulturelle Unterschiede: In Zeiten des Fachkräftemangels greifen viele Arbeitgeber auf ausländische Pflegekräfte zurück. Diese haben oftmals ein anderes Verständnis von Pflege oder sind andere Aufgaben gewohnt. Dies führt – ohne gegenseitiges Verstehen und Verständnis – oft zu Reibereien im Team.
- Ärzt:innen und Pflegekräfte: Auch zwischen Ärzt:innen und Pflegepersonal kommt es oftmals zu Differenzen. Häufige Gründe für Konflikte: nicht klar definierte Zuständigkeiten, gegenseitiges Unverständnis oder mangelnde Wertschätzung.
Das Gehalt passt nicht
Gehalt allein entscheidet selten über eine Kündigung, aber es kann zum entscheidenden Faktor werden, wenn es als unfair empfunden wird.
Besonders in der Pflege, wo die meisten Arbeitgeber einem Tarif angeschlossen sind, ist das Gehalt meistens nicht der Hauptkündigungsgrund. Weicht das Gehalt allerdings deutlich von dem ab, was sie für den fordernden Job als fair wahrnehmen, macht dies unzufrieden – auch wenn sonst alles stimmt.
Ist auch zukünftig nicht mit einem Gehaltsplus, z. B. nach Weiterbildungen, zu rechnen, bleibt als Alternative nur die Kündigung. Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass es sowohl regional als auch zwischen den verschiedenen Einrichtungen erhebliche Lohnunterschiede gibt.
Auch ein Wechsel in die Zeitarbeit kann sich für Pflegekräfte aus monetärer Sicht lohnen (➔ Gehalt Zeitarbeit Pflege).
Fehlende Option zur Weiterentwicklung
Viele Pflegekräfte möchten sich im Laufe ihres Berufs weiterentwickeln – fachlich, persönlich und auch finanziell. Die Möglichkeiten dafür gibt es grundsätzlich: Fortbildungen, Spezialisierungen oder neue Verantwortungsbereiche.
Aber nicht jeder Arbeitgeber unterstützt seine Mitarbeiter:innen, zeitlich und finanziell dabei, diese wahrzunehmen.
Im Gegenteil: Vielfach ist es sogar so, dass Pflegekräfte in Eigeninitiative an Fortbildungen teilnehmen. Der erwartete Karrieresprung oder eine Anerkennung seitens des Arbeitgebers bleibt dann aber wider Erwarten aus.
So werden Wundmanager häufig nicht für ihren neuen Aufgabenbereich freigestellt. Vielmehr führen sie diese Aufgaben zusätzlich zu ihrem „normalen“ Stationsdienst aus. So etwas frustriert. Wer das Gefühl hat, in einer beruflichen Sackgasse angekommen zu sein, sucht sich folglich neue Herausforderungen.
Wenn Beruf und Familie nicht vereinbar sind
Manchmal sind es auch private Gründe, die eine Pflegekraft zur Kündigung bewegen.
Ob Familienzuwachs, die Betreuung von Angehörigen oder ein Umzug: Lebenssituationen entwickeln sich weiter. Wenn Arbeitszeitsmodelle dann nicht flexibel genug sind, entsteht schnell ein Spannungsfeld zwischen Beruf und Privatleben.
Besonders schwierig wird es für Pflegekräfte, die nach der Elternzeit über einen Wiedereinstieg in die Pflege nachdenken und feststellen, dass sich ihre neue Lebensrealität nicht mit den bestehenden Arbeitszeiten vereinbaren lässt.
Hier könnten Unternehmen mit familienfreundlichen Arbeitszeiten, der Option auf Teilzeit und Betreuungsangeboten gegensteuern, um Pflegekräfte zu halten.
Wenn der Arbeitgeber sozial unglaubwürdig wirkt
Pflegekräfte arbeiten in einem Beruf, der stark von Werten geprägt ist. Für viele gehört es dazu, Menschen würdevoll zu versorgen und Verantwortung zu übernehmen. Umso sensibler reagieren sie, wenn sie den Eindruck haben, dass ihr Arbeitgeber diesen Anspruch nicht teilt.
Problematisch wird es vor allem dann, wenn wirtschaftliche Entscheidungen auf Kosten von Patient:innen oder Mitarbeitenden getroffen werden. Beispiele dafür sind Einsparungen bei Personal, steigender Arbeitsdruck oder das gezielte Umgehen von Tarifbindungen. Solche Maßnahmen stehen für viele Pflegekräfte im direkten Widerspruch zu ihrem eigenen Berufsverständnis.
Der Umgang mit Vielfalt spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Wenn kultursensible Pflege im Alltag kaum berücksichtigt wird, entstehen schnell Spannungen im Team und in der Versorgung.
Auch die Außenwirkung spielt eine Rolle (Employer Branding). Wenn ein Arbeitgeber nach außen soziale Werte kommuniziert, diese im Alltag aber nicht erlebbar sind, entsteht ein Glaubwürdigkeitsproblem. Pflegekräfte hinterfragen dann zunehmend, ob sie beim richtigen Arbeitgeber sind.
In solchen Situationen geht es nicht nur um Arbeitsbedingungen, sondern um Haltung und Werte. Wenn diese nicht übereinstimmen, wächst bei vielen Pflegekräften der Wunsch, in einem Umfeld zu arbeiten, das besser zu ihrem eigenen Verständnis von guter Pflege passt.
Wenn der Pflegeberuf insgesamt infrage steht
Manche Kündigungen gehen über den einzelnen Arbeitgeber hinaus. In diesen Fällen stellen Pflegekräfte nicht nur ihre aktuelle Stelle, sondern den gesamten Pflegeberuf infrage.
Auslöser dafür sind oft strukturelle Probleme: hohe Bürokratie, dauerhafte Überlastung und fehlende spürbare Verbesserungen im System. Viele haben das Gefühl, dass sich trotz jahrelanger Diskussionen zu wenig verändert.
Für etliche ist es auch die geringe Wertschätzung, die ihnen entgegengebracht wird, die das berüchtigte Fass zum Überlaufen bringt.
Die gute Nachricht lautet allerdings: Viele ehemalige Pflegende können sich eine Rückkehr in die Pflege vorstellen, vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen (Studie: Ich pflege wieder, wenn ...) .
Fehlende Wertschätzung seitens des Arbeitgebers
Viele der genannten Kündigungsgründe laufen am Ende auf einen gemeinsamen Kern hinaus: fehlende Wertschätzung im Arbeitsalltag.
Denn auch wenn die Pflege einen hohen gesellschaftlichen Wert hat, fehlt es ihr an Ansehen und Anerkennung von der Gesellschaft und oft auch vom eigenen Arbeitgeber.
Wer hat schon Spaß auf einen anstrengenden Job, der der Gesellschaft zugutekommt, wenn dieser bisher nicht einmal der eigenen Einrichtung angemessen honoriert wird?
Hier einige Zitate von Pflegekräften aus unserem Social Network:

Fazit: Die Motive, warum Pflegekräfte kündigen, sind vielfältig
Ein Blick auf die häufigsten Kündigungsgründe in der Pflege zeigt: Es ist nicht das Gehalt, was Pflegekräfte zur Kündigung bewegt. Meist sind die Motive für eine Kündigung eine Mischung aus mehreren Gründen. Nicht auf alles haben Arbeitgeber einen Einfluss, aber auf die meisten.
Denn im Kern geht es Pflegekräften darum, ihren Job gutzumachen. Sie möchten gerne zur Arbeit gehen und Bedingungen vorfinden, die mit ihrem Privatleben sowie ihren beruflichen Zielen im Einklang stehen.
Fakt ist aber auch: Viele Pflegekräfte sind mit ihrem aktuellen Arbeitgeber unzufrieden, scheuen aber den Aufwand, sich zu bewerben.
Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass gute Arbeitgeber, die aktiv auf wechselwillige Kandidat:innen zugehen, hohe Chancen haben, diese für sich zu gewinnen.
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