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Springerpool in der Pflege: Attraktive Alternative zur Zeitarbeit?

“Kannst du morgen einspringen?” – Spontanes Einspringen und Holen aus dem Frei gehören zum Alltag einer Pflegekraft. Doch einige Arbeitgeber in der Pflege haben ein Modell gefunden, flexibel auf Personalausfälle zu reagieren – und das ohne Zeitarbeit zurückzugreifen.

 

Die Lösung sind Springerpools. Mitarbeitende in diesem Arbeitsmodell sind keiner festen Station zugeordnet, sondern arbeiten immer dort, wo gerade Bedarf ist. Mit vielen Vorteilen, aber auch einigen Nachteilen.

 

Erfahre in diesem Beitrag, was ein Springerpool genau ist, welche Vor- und Nachteile das Konzept hat und ob ein Job als Springer zur dir passt.

Inhaltsverzeichnis

    Was ist ein Springerpool?

    Ein Springerpool (alternativ: Flexipool) beschreibt ein flexibles Arbeitsmodell, das sowohl in großen Einrichtungen wie Krankenhäusern als auch netzwerkübergreifend eingesetzt wird. In diesem Modell sind Pflegekräfte nicht an eine spezifische Station oder Abteilung gebunden. Stattdessen springen sie dort ein, wo gerade Not am Mann ist – sei es wegen Krankheit oder Kündigungen. 

    Fällt etwa krankheitsbedingt eine Pflegekraft auf der Radiologie aus, wird ein Mitarbeitender aus dem Springerpool zeitweise dorthin geschickt. Herrscht in der nächsten Woche Personalmangel auf der Neurologie, arbeitet er oder sie dort.  Bei den einzelnen Einsätzen kann es sich um einzelne Tage, aber auch einen Zeitraum von mehreren Wochen handeln. 

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    Was kannst du als Pflegekraft im Springerpool verdienen?

    Als Pflegekraft im Springerpool ist dein Gehalt meist höher als das der „regulären“ Pflegekräfte. Arbeitgeber belohnen die Bereitschaft zur Flexibilität. In der Regel erhalten Springer zusätzlich zum Basis-Gehalt einen Bonus oder zusätzliche Urlaubstage. 

    Wie hoch das Gehalt letztlich ist, hängt aber auch – wie in den meisten Jobs – mit der Qualifikation und Erfahrung zusammen. Es kann auch sein, dass sich auch die Dauer und Häufigkeit deiner Einsätze auf dein Gehalt auswirken. Wenn du auf Wunschschichten verzichtest, kann sich dies ebenfalls in der Bezahlung widerspiegeln.

    Hier einige Beispiele:

    • Diakonie Ruhr: Pflegefachkräfte erhalten im Springerpool 23 € brutto pro Stunde, Pflegemitarbeitende mit fachbezogener mindestens einjähriger Ausbildung 17,62 € pro Stunde, Pflegemitarbeitende 16,05 € pro Stunde.
      Die wöchentliche Arbeitszeit in Vollzeit beträgt 35 Stunden bei einer Fünf-Tage-Woche. Als zusätzliche Leistungen sind ein Dienstwagen oder Fahrkostenzuschuss bei Nutzung eines privaten Autos und zusätzliche Vergütung bei „Holen aus dem Frei“.
    • Kliniken Köln: Intensivpflegefachkräfte im Springerpool der Kliniken Köln erhalten je nach Einsatzbereich eine Zulage von bis zu 1.000 € brutto (Vollzeit). Pflegefachkräfte in der normalen Stationspflege erhält insgesamt 500 Euro brutto.
    • Klinikum Region Hannover: Wer im Mobiteam des Klinikums Region Hannover arbeitet, bekommt einen individuell angepassten Dienstplan sowie eine Bezahlung nach TVöD plus, Sonderzuschlagszahlungen. Für eine Pflegefachkraft mit 10 Jahren Berufserfahrung sind dies aktuell 3889,69 € zzgl. einer monatlichen Bruttozulage von bis zu 500 € (Link zur Gehaltstabelle).

    Die Vorteile des Springerpools für Pflegekräfte

    Der Springerpool in der Pflege bietet dir eine Reihe von Vorteilen, sowohl was die Arbeitsbedingungen als auch deine persönliche und berufliche Entwicklung betrifft: 

      • Flexible Arbeitszeiten: Als Pflegekraft kannst du deine Schichten mitbestimmen. So kannst du deine Arbeitszeiten an dein Privatleben anpassen.
      • Vielfältige Erfahrungen: Dank deines Einsatzes auf verschiedenen Stationen lernst du unterschiedliche Arbeitsweisen kennen und eignest dir ein breites Wissen an. 
      • Familienfreundlich: Wenn du während der Elternzeit arbeiten oder danach wieder einsteigen möchtest, sind die flexiblen Arbeitszeiten im Springerpool ideal.
      • Orientierung: Während deiner Arbeit lernst du einige Stationen, Arbeitsweisen und Teams kennen. Oft bietet sich die Option, wenn es dir auf einer Station besonders gut gefällt, ins Stammteam zu wechseln.
      • Akzeptanz im Team: Da du das Stammpersonal entlastet, bist du beim Stammpersonal in der Regel gerne gesehen. Demgegenüber können Zeitarbeitskräfte, die von außen kommen, oft isoliert dastehen bzw. das Gefühl vermittelt bekommen, „nicht richtig dazuzugehören“.

     

     

    Auch für Arbeitgeber haben Springerpools bzw. Flexpools Vorteile:

    • Entlastung der PDL beim Ausfallmanagement: Pflegedienstleitungen profitieren von einer einfacheren Organisation bei Personalausfällen.
    • Passender und günstiger als Zeitarbeitskräfte: Eigene Springer sind oft besser eingearbeitet, schneller verfügbar und kosteneffizienter als externe Zeitarbeitskräfte.
    • Entlastung des Stammpersonals: Ein Springerpool reduziert das Holen aus dem Frei und Überstunden. Dies führt zu weniger Stress und mehr Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden.
    • Pflegebetrieb aufrechterhalten: Ein flexibler Springerpool kann verhindern, dass Stationen aufgrund von Personalmangel geschlossen werden müssen.

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    Herausforderungen im Alltag des Springerpools

    Neben den vielen Vorteilen bringt die Arbeit im Springerpool auch einige Herausforderungen mit sich. Hier sind einige der Schwierigkeiten, mit denen du als Pflegekraft konfrontiert sein könntest:

    • Unsichere Arbeitsplanung: Oft erfährst du als Springer erst am Morgen, wo du arbeiten wirst.
    • Wenig Vertiefung des Fachwissens: Durch ständig wechselnde Abläufe ist es schwer, sich in einem Bereich zu spezialisieren.
    • Häufige Teamwechsel: Das erschwert die Zugehörigkeit und Integration in Teams und den Aufbau von Beziehungen.
    • Bedarf an Einarbeitung: Auch Springer benötigen eine Einarbeitung in neue Umgebungen und Teams. Da du in Bereichen mit bereits bestehenden Engpass kommst, kann es stressig werden.
    • Persönliche Anforderungen: Flexibilität und schnelle Anpassung sind unerlässlich.
    • Stresspotential: Der fortlaufende Wechsel und Einsatz auf personell knappen Stationen kann als belastend empfunden werden.
    • Kontakt zu Pflegebedürftigen: Häufiger Wechsel kann den Aufbau einer Beziehung zu Pflegebedürftigen erschweren

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    Konzept des Springerpools: Mehr als nur ein Arbeitsmodell

    Der Krankenstand in der Pflege ist hoch. Eine Studie zeigt, dass Pflegekräfte im Vergleich zu anderen Berufsgruppen führend in der Anzahl der Krankheitstage sind. So lagen die AOK-versicherten Beschäftigten in der Pflege im Durchschnitt bei 32 Arbeitsunfähigkeitstagen pro Jahr. 

    Dies stellt Arbeitgeber vor Herausforderung. Statistisch gesehen fallen ca. 15 % der Pfleger in Kliniken ausfallen, jedoch nicht gleichmäßig über alle Stationen verteilt.  Das Stammpersonal ist oft unwillig und/oder rechtlich nicht verpflichtet, in unbekannten Abteilungen einzuspringen. 

    Ganz anders sieht es bei Pflegekräften aus dem Springerpool aus. Sie sind keinem Bereich zugeordnet, sondern vertraglich verpflichtet, auf verschiedenen Stationen einzuspringen. In der Praxis sieht es oft so aus, dass Springer die meiste Zeit auf einer „Heimstation“ arbeitet und nur bei akutem Bedarf verliehen wird.

    Das Konzept Springerpool ist umso Erfolg versprechender, wenn Springer nicht täglich auf neuen anderen Stationen eingesetzt werden. Eine kurze Einarbeitungszeit von mindestens einem Tag sollte eingeplant sein. Eine intensivere Einarbeitung ist erforderlich, wenn Pflegekräfte aus dem Springerpool im OP oder der Intensivpflege eingesetzt werden.

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    Einsatz von Springerpools in den unterschiedlichen Einrichtungsarten

    Springerpools in der Pflege sind in verschiedenen Einrichtungsarten unterschiedlich verbreitet und umsetzbar. In größeren Einrichtungen wie Krankenhäusern oder bei Trägern wie Diakonie oder Caritas ist das Springerpool-Konzept weitverbreitet. Pflegekräfte können hier auf vielen Stationen oder zum Verbund gehörenden Einrichtungen eingesetzt werden. Im Gegensatz dazu sind Springerpools in kleinen Pflegediensten mit wenigen Mitarbeitenden oft schwieriger umzusetzen. 

    Wie sieht der Status quo zum Aufbau von Springerpools in Deutschland aus?

    Es gibt keine verlässlichen Zahlen, wie viele Einrichtungen in der Pflege bereits auf Springerpools bzw. Flexpools setzen. Allerdings zeigt die Berichterstattung der letzten Jahre, dass das Konzept – insbesondere bei den großen Trägern und Krankenhäusern – immer mehr zum Einsatz kommt.

    Ein Vorreiter ist die Universitätsmedizin Mainz, welche schon seit 10 Jahren auf einen Springerpool setzt. Dieser umfasst etwa 60 Pflegefachkräfte, die auf über 50 Stationen zum Einsatz kommen.

    Auch die Diakonie Bayern kann auf ein dreijähriges Pilotprojekt zurückblicken. In diesen Zeitraum soll die Krankheitsquote um 40 % gesunken sein, Überstunden um 66 % zurückgegangen sein und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden deutlich gestiegen sein.

    Die Caritas berichtet, durch Springerpools mancherorts sogar vollständig auf den Einsatz von Leiharbeitskräften verzichten zu können und auch zukünftig vermehrt auf dieses Konzept setzen zu wollen. Damit sollen auch Berufsanfänger:innen ermöglicht werden, mehrere Standorte kennenzulernen, um sich dann bewusst für eine Einrichtung zu entscheiden (altenpflege-online.net)

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    Springerpool vs. Zeitarbeit: Ein Vergleich

    Springerpools und Zeitarbeit haben auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten, wie die Möglichkeit, Arbeitszeiten mitzubestimmen und zwischen verschiedenen Arbeitsorten zu wechseln, oft mit dem Vorteil einer besseren Bezahlung. 

    Der wesentliche Unterschied liegt jedoch in der Arbeitsstruktur. Bei Springerpools arbeitest du ausschließlich innerhalb einer Einrichtung, wohingegen Zeitarbeit dich in verschiedenen Einrichtungen einsetzt, was tendenziell noch größere Flexibilität und längere Anfahrtswege mit sich bringt. 

    In der Regel bist du im Springerpool auch besser in ein Team integriert, da du immer wieder auf dieselbe Station kommst und den Teams immer wieder über den Weg läufst. Du wirst weniger als Außenstehender wahrgenommen.

    Auf Seiten der Arbeitgeber sind Pflegekräfte aus Springerpools günstiger und auch schneller verfügbar. Außerdem sind Mitarbeitende aus dem eigenen Pool mit den Standards und Verfahren der Einrichtung vertraut. 

    Fazit: Passt der Job als Springer zu dir?

    Die Entscheidung, in einem Springerpool in der Pflege zu arbeiten, hängt stark von deinen Vorlieben, deinen Charakter und deiner Lebensphase ab. Viele Pflegekräfte schätzen die Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung, die Abwechslung und finanziellen Anreize. 

    Für introvertierte Personen, die Zeit benötigen, um sich in neuen Teams zurechtzufinden, und denen regelmäßige Routinen wichtig sind, kann der Springerpool jedoch herausfordernd sein. Extrovertierte, die neue Kontakte und Abwechslung suchen, finden das Modell oft passend. 

    Besonders für Eltern, die ihre Arbeitszeiten anpassen müssen, bietet der Springerpool Vorteile. Die Wahl hängt also von der Persönlichkeit und Lebensphase ab.

    Interessierst du dich für einen Job im Springerpool? Dann melde dich jetzt kostenlos bei Care Rockets an und erstelle in wenigen Minuten ein Profil. 

    Das Beste: Arbeitgeber in der Pflege bewerben sich bei dir. Du entscheidest, welchen Arbeitgeber du kennenlernen möchtest.