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ICN-Ethikkodex für Pflegekräfte – einfach erklärt

In der Pflege zählt nicht nur Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, ethisch zu handeln. Der ICN-Ethikkodex gibt Pflegekräften klare Richtlinien an die Hand. Oder anders ausgedrückt: Dieser Kodex hilft dir, einen „inneren Kompass“ zu entwickeln, der in kritischen Situationen leitet. 

 

In diesem Beitrag haben wir die wichtigsten Prinzipien – einfach erklärt – zusammengefasst. Außerdem zeigen wir dir anhand von Beispielen,
wie der Ethikkodex im Pflegealltag angewendet wird.

ICN-Ethikkodex für Pflegekräfte – einfach erklärt
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Inhaltsverzeichnis

    Grundlagen des ICN-Ethikkodexes einfach erklärt

    Was ist der ICN-Ethikkodex?

    Der ICN-Ethikkodex ist ein Leitfaden für Pflegende, der die Grundlage für ein Handeln nach sozialen Werten und Bedürfnissen festlegt. Ziel des Kodex ist es, Pflegekräften als Rahmen für ethisches Handeln zu dienen und professionelle Standards zu erfüllen. Dabei dient weniger als Anleitung, sondern viel mehr als Basis für bessere Entscheidungen.

    Wer hat den ICN-Ethikkodex eingeführt?

    Der International Council of Nurses, kurz ICN, hat diesen Ethikkodex 1953 eingeführt. Seitdem wurde der Kodex fortwährend überarbeitet und neue Aspekte wie die Digitalisierung berücksichtigt. Als internationaler Zusammenschluss vertritt der ICN über 130 nationale Berufsverbände, darunter den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK).

     

    Was ist der International Council of Nurses?
    Der International Council of Nurses (ICN) ist eine globale Organisation, die mehr als 130 nationale Pflegeverbände vertritt und damit über 28 Millionen Pflegekräfte weltweit repräsentiert.


    Gegründet im Jahr 1899, fördert der ICN eine qualitativ hochwertige Pflege für alle, unterstützt weltweite Gesundheitspolitiken und die Weiterentwicklung des Pflegewissens. Der ICN setzt sich zudem für die weltweite Anerkennung der Pflegeberufe und eine zufriedene Pflegebelegschaft ein.

     

    Wo findet der ICN-Ethikkodex Anwendung?

    Der Kodex gilt in allen Mitgliedstaaten des ICN. Anwendung findet er in allen Einrichtungen, in denen professionelle Pflege stattfindet wie Pflegeheimen, Krankenhäusern und der ambulanten Pflege.

    Der ICN-Ethikkodex richtet sich an Pflegefachpersonen aller Qualifikationsstufen – egal, in welchen Arbeitsfeldern oder Praxisgebieten sie tätig sind.

    Gruppe von Pflegekräften in blauen Kasacks steht selbstbewusst vor einem Globus und repräsentiert die globale Pflegegemeinschaft

    Warum ist der ICN-Ethikkodex wichtig?

    Die Befolgung des ICN-Ethikkodexes bietet Vorteile für verschiedene Beteiligte im Gesundheitswesen:

    1. Der Kodex zielt darauf ab, dass Pflegekräfte Menschen, die Pflege benötigen, mit Würde behandeln und ihre Rechte achten. Dies fördert eine vertrauensvolle Beziehung und verbessert das Wohlbefinden der Pflegebedürftigen.
    2. Pflegende erhalten klare Richtlinien für ethisches Handeln. Der Kodex bietet ihnen eine feste Grundlage für Entscheidungen in ethischen Dilemmata. Dies reduziert die Unsicherheit im Berufsalltag.
    3. Einheitliche ethische Standards fördern Qualität der Pflege, was das Vertrauen in Pflege stärkt. 

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    Grundlegenden Aufgaben von Pflegekräften

    Dem Ethikkodex vorangestellt ist eine Präambel, die die grundlegenden Ziele und Absichten erläutert. 

    Hierin heißt es: „Pflegefachpersonen werden für ihren Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit von Einzelpersonen, Familien, Gemeinschaften und Bevölkerungsgruppen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene geschätzt und respektiert.
    Sie koordinieren die Versorgung mit anderen Gesundheitsfachpersonen und weiteren involvierten Gruppen. Pflegefachpersonen zeigen professionelle ethische Werte wie Respekt, Gerechtigkeit, Empathie, Verlässlichkeit, Fürsorge, Mitgefühl, Vertrauenswürdigkeit und Integrität
    .“ (Link zum PDF)

    Als grundlegende Verantwortung von Pflegekräften nennt der Kodex die folgenden Aufgaben:

    1. Gesundheit fördern
    2. Krankheit verhüten
    3. Gesundheit wiederherstellen
    4. Leiden lindern

    Zusammenfassung: Kernprinzipien des ICN-Ethikkodexes

    Der ICN-Ethikkodex nennt vier Grundelemente, die den Rahmen für ethisches Handeln in der Pflege festlegen.

    Kodex 1: Pflegekräfte und Pflegebedürftige

    Im Einklang mit Paragraf 1 des Grundgesetzes, „die Würde des Menschen ist unantastbar“, stehen die Achtung der Menschenwürde und ein respektvolles Miteinander für Pflegende an oberer Stellen.

    In der Praxis bedeutet dies, dass Pflege ohne Vorurteile oder Diskriminierung stattfindet. Alle Menschen haben gut Pflege verdient, unabhängig von Rasse, Religion, Geschlecht, sozialem Status und weiteren Merkmalen. Beispielsweise sollte jeder Pflegebedürftige die gleiche Sorgfalt bei der Körperpflege erfahren.

    Pflegekräfte sorgen dafür, dass Pflegebedürftige und deren Familien alle relevanten Informationen rechtzeitig und in verständlicher Form erhalten. Außerdem behandeln sie alle personenbezogenen Daten vertraulich und respektieren die Privatsphäre.

    Kodex 2: Pflegekräfte in der Berufspraxis

    Im Fokus des zweiten Kodex steht die professionelle Berufsausübung. Pflegekräfte sollten demnach immer darauf achten, dass ihr Wissen auf dem neuesten Stand ist – sei es durch Weiterbildungen oder fachlichen Austausch mit dem Team. 

    Pflegekräfte teilen auch ihr Wissen mit anderen und helfen Kolleginnen und Kollegen sowie Auszubildenden, sich weiterzuentwickeln. Sie setzen sich für das Image der Pflege ein und sprechen Probleme an, um die Pflege für alle zu verbessern.

    Drei Pflegekräfte im Nachtdienst in blauen Kasacks führen eine medizinische Behandlung an einem Patienten durch

    Zudem ist es wichtig, dass Pflegekräfte auf ihre eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden achten.

    Wortwörtlich heißt es in Punkt 2.4 : „Pflegefachpersonen wertschätzen ihre eigene Würde, ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit. Um dies zu erreichen, braucht es positive Arbeitsumgebungen, die geprägt sind von beruflicher Anerkennung, Bildung, Reflexion, Unterstützungsstrukturen, angemessener Ressourcenausstattung, solide Managementpraktiken sowie Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit.

    Kodex 3: Pflegekräfte und der Beruf

    Der dritte Kodex hebt hervor, dass Pflegekräfte eine aktive Rolle einnehmen, wissenschaftliche Methoden zu entwickeln und anzuwenden. 

    Zudem arbeiten Pflegefachpersonen daran, eine gute und faire Arbeitsumgebung zu schaffen. Sie setzen sich für eine Arbeitswelt ein, in der ethisch gehandelt wird und ungerechte Praktiken bekämpft werden. 

    Pflegekräfte sind auch darauf vorbereitet, in Notfällen wie Naturkatastrophen oder Epidemien schnell und sicher zu handeln. Sie sorgen dafür, dass die Menschen, die sie pflegen, sicher sind und gut versorgt werden, indem sie Risiken einschätzen und Pläne entwickeln, um diese zu minimieren.

    Kodex 4: Pflegekräfte und globale Gesundheit

    Der vierte Kodex des ICN-Ethikkodexes beschreibt die wichtige Rolle der Pflegefachpersonen in der globalen Gesundheit. Pflegefachpersonen erkennen Gesundheitsversorgung als ein grundlegendes Menschenrecht an. Sie setzen sich dafür ein, dass jeder Mensch weltweit Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung hat. 

    Mehr noch: Pflegefachpersonen setzen sich gegen Menschenhandel, Umweltausbeutung und Kinderarbeit ein. Außerdem engagieren sie sich für Fairness und Chancengleichheit.

    Pflegekraft in blauen Kasacks kümmert sich um einen Patienten in einem modernen Krankenhaus, umgeben von medizinischen Geräten

    Beispiele für ethische Konflikte in der Pflege

    Im Pflegealltag ergeben sich nahezu jeden Tag unzählige ethische Konflikte. Hierunter fallen Situationen, die moralische Entscheidungen erfordern und in denen sich widersprüchliche ethische Prinzipien gegenüberstehen. 

    Diese Konflikte können besonders herausfordernd sein, da sie oft unter dem Druck entstehen, schnelle Entscheidungen in komplexen und emotional aufgeladenen Situationen treffen zu müssen. 

    Hier sind einige häufige ethische Konflikte in der Pflege:

    Autonomie vs. notwendige Behandlung 

    Ein klassischer ethischer Konflikt tritt auf, wenn das Selbstbestimmungsrecht des Patienten mit der professionellen Einschätzung der Pflegekraft kollidiert, was das Beste für den Patienten ist. 

    Beispiel: Ein Patient ist nach einem Schlaganfall vorübergehend nicht in der Lage, Nahrung – ohne sich zu verschlucken – oral aufzunehmen. Er soll über eine nasogastrale Sonde künstlich ernährt werden. Das Legen der Sonde ist für den Patienten sehr unangenehm. Er kann die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme nur schwer erfassen. 

    In einem solchen Fall ist die Pflegekraft gefragt, die Autonomie des Patienten zu seinem Schutz (Vorbeugung einer Lungenentzündung) hinter der Notwendigkeit hintenan zustellen.

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    Patientensicherheit vs. Arbeitsbedingungen 

    Personalmangel, Überlastung und Überstunden – Pflegekräfte stehen oft unter enormem Druck, hohe Qualität und Sicherheit in der Pflege unter suboptimalen Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. 

    In solchen Situationen ist es besonders wichtig, die Lage realistisch einzuschätzen und eine Gefährdung rechtzeitig anzuzeigen ( Überlastungsanzeige). Ebenso sollte sich eine Pflegekraft in belastenden Situationen fragen, ob patientenferne Tätigkeiten, wie z. B. Dokumentation für den Augenblick herunter priorisiert und später durchgeführt werden können.

    Vertraulichkeit vs. Schutz Dritter 

    Pflegekräfte müssen oft entscheiden, ob sie die Vertraulichkeit eines Patienten wahren oder Informationen preisgeben, die andere schützen könnten. Zum Beispiel im Falle von ansteckenden Krankheiten oder wenn die Sicherheit anderer gefährdet ist.

    End-of-Life-Entscheidungen 

    Entscheidungen am Lebensende, wie das Beenden lebenserhaltender Maßnahmen oder das Verwalten von Palliativbehandlungen, können zu Konflikten zwischen Teammitgliedern, Patient:innen und deren Familien führen. Die Achtung des Patientenwillens und die Einschätzung, was medizinisch sinnvoll ist, stehen hier oft im Mittelpunkt.

    Ressourcenverteilung

    In Systemen mit begrenzten Ressourcen müssen Pflegekräfte oft entscheiden, wie Betten, Medikamente und personelle Ressourcen am besten verteilt werden. Dies kann zu Konflikten führen, insbesondere in Krisensituationen wie einer Pandemie.

    Folge von ethischen Konflikten

    Ethische Konflikte in der Pflege führen oft zu erheblichem moralischem Stress bei Pflegekräften. Diese emotional belastenden Situationen können Burnout und Jobunzufriedenheit verursachen, was dazu führt, dass viele Pflegekräfte ihren Beruf verlassen.

    Der ständige ethische Druck kann zudem das Teamklima verschlechtern und das Vertrauen in Gesundheitseinrichtungen untergraben, was den Fachkräftemangel weiter verschärft.

    Fazit: Damit der ICN-Ethikkodex eine Bedeutung hat, muss er gelebt werden

    Der ICN-Ethikkodex stellt für Pflegekräfte weltweit eine wesentliche Richtschnur dar, um ethische Grundsätze in der Pflegepraxis zu verankern. Der Kodex umfasst vier zentrale Elemente, die darauf abzielen, die Würde und Rechte der Pflegebedürftigen zu wahren und gleichzeitig ein professionelles Pflegeniveau zu gewährleisten.

    Die wirkliche Bedeutung des ICN-Ethikkodex entfaltet sich allerdings nur, wenn er von Pflegekräften nicht nur verstanden, sondern auch gelebt wird. Pflegekräfte sind daher aufgefordert, die im Ethikkodex verankerten Werte täglich in die Praxis umzusetzen und sich kontinuierlich mit ihnen auseinanderzusetzen. Nur so kann der Kodex seinen Zweck erfüllen, das Vertrauen in die Pflege zu stärken und die Qualität der Pflegeleistungen zu verbessern.

    Care Rockets: Gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege

    Die Pflegekräfte, die sich diesen hohen ethischen und beruflichen Standards verschrieben haben, verdienen eine Plattform, die ihre beruflichen Interessen unterstützt und fördert.

    Care Rockets bietet genau das: Eine Community, die den Dialog und Austausch zwischen Pflegekräften und Arbeitgebern erleichtert, um die Arbeitsbedingungen in der Pflege kontinuierlich zu verbessern.

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